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Schlüsselbegriff: veranstaltung

 
 

„Eigentlich hätten wir euch Deutschen das nicht zugetraut…“

Freitag, September 17th, 2010

Mit einem Festakt der Stiftung für die Freiheit und der Erhard-Hübener-Stiftung haben am 12. September 2010 Politiker und Zeitzeugen an 20 Jahre Deutsche Einheit erinnert – allen voran Hans-Dietrich Genscher, der den Festvortrag hielt.

Im bis auf den letzten Platz gefüllten Stadthaus zu Halle setzte Genscher einen für einige Besucher überraschenden Schwerpunkt: Der frühere Bundesaußenminister streifte die Geschichte des Mauerfalls nur und befasste sich auch nur am Rande mit dem Einigungsprozess. Genschers Schwerpunkt war die europäische Dimension des Geschehens der Jahre 1989/90 und die Lehren, die daraus für heute zu ziehen sind.

Das rundete eine Veranstaltung hervorragend ab, in der schon in den Grußworten verschiedene Aspekte des Einigungsprozesses angesprochen worden waren. So hatte Rolf Berndt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, auf die politischen Meilensteine hingewiesen, ohne die die Vollendung der Einheit Deutschlands wohl nicht möglich gewesen wären: die Arbeit von Walter Scheel, einem der Väter der Entspannungspolitik; der Moskauer Vertrag von 1970 samt des Briefes zur deutschen Einheit, in dem festgestellt wird, dass der Vertrag nicht im Widerspruch zu dem Ziel der Bundesrepublik steht, auf einen Frieden in Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt; der Helsinki-Prozess; die Solidarność-Bewegung und Gorbatschows Perestroika.

„Noch heute fühlen sich viele der Freiheit nicht gewachsen“

Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, erinnerte an den Einsatz der Bürger, die eine friedliche Revolution auf deutschem Boden zuwege brachten, aber auch an den Mut jener Politiker, die ohne Zögern, mutig und zielstrebig die Einheit umsetzten – Politiker wie Hans-Dietrich Genscher.

Der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, legte einen Schwerpunkt auf den nunmehr seit zwanzig Jahren andauernden Einigungsprozess. Kritik an einzelnen Punkten sei dabei durchaus berechtigt, insgesamt jedoch gehe es hier um eine Erfolgsgeschichte – was man allerdings immer wieder verdeutlichen müsse: Nicht jeder habe bis heute verstanden, dass Freiheit auch Selbstverantwortung bedeute und Risiko. „Noch heute fühlen sich viele der Freiheit nicht gewachsen“, sagte Böhmer und forderte dazu auf, gerade Jüngeren die jüngere Geschichte nahezubringen, denen die Dimensionen der Wiedervereinigung oft nicht bewusst seien. Böhmer zitierte Margaret Thatcher, seinerzeit Premierministerin von Großbritannien und Nordirland, mit den Worten, die Umwandlung einer Plan- in eine Marktwirtschaft sei in etwa mit dem Unterfangen zu vergleichen, ein Omelett in rohe Eier zurückzuverwandeln.

„Eigentlich hätten wir euch Deutschen das nicht zugetraut“

Auch Hans-Dietrich Genscher warnte davor, die Leistungen der Deutschen im Einigungsprozess kleinzureden. „Es gibt keine Lasten der Einheit“, sagte Genscher, „sondern nur die Lasten von 40 Jahren sozialistischer Politik.“ Die Deutschen im Westen hätten mir ihrer Aufbauleistung das Vertrauen der Nachbarn nach dem Krieg wieder gewonnen, die Deutschen im Osten hätten es mit ihrer friedlichen Revolution 1989 gestärkt. Diese, nach 1848, 1918 und 1953 erste friedliche und erfolgreiche Revolution habe Eindruck gemacht. Sein damaliger Amtskollege aus Frankreich habe ihm am Rande einer Sitzung zugesteckt, was die Außenminister Europas dachten: „Eigentlich hätten wir euch Deutschen das nicht zugetraut.“
Gemeinsam mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs habe man den Weg zur Einheit frei gemacht und gegen Einheitsskeptiker im eigenen Land, vor allem im Westen, die den Ruf „Wir sind das Volk“ gerne mit der Parole „Wir auch!“ beantwortet hätten. Und es sei gerade die gemeinsame Verantwortung der Vier Mächte für das besiegte Deutschland gewesen, die für die Einheit des Landes stand. Mit ihnen habe man „in kurzer Zeit einen langen Weg zurückgelegt.“ Gerade heute, in einer immer enger zusammenrückenden Welt, gelte es zu verdeutlichen, welche Bedeutung die europäische Einigung als Vorbild habe für eine Weltordnung, die überall als gerecht empfunden wird.
Genscher erinnerte an den Beginn des europäischen Einigungsprozesses mit drei kleinen und drei großen Ländern, bei dem nicht mehr das Recht des Stärkeren galt – ein historisches Novum. Eine gerechte Weltordnung, „darüber müssen wir nachdenken, damit müssen wir anfangen“, sagte Genscher.

Der steinige Weg zur Deutschen Einheit

Nach der feierlichen Veranstaltung eröffnete Hans-Dietrich Genscher in seinem Geburtshaus der Begegnungsstätte Deutsche Einheit in Halle-Reideburg, die Foto-Ausstellung “Der steinige Weg zur Deutschen Einheit“. Helmut R. Schulze, ein Fotograf aus Heidelberg, gehört zu den namhaften Fotojournalisten in Deutschland. Seit Anfang der siebziger Jahre hat er nahezu sämtliche große Persönlichkeiten der Zeitgeschichte fotografiert. Er begleitete über viele Jahre den ägyptischen Präsidenten Sadat, die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und Roman Herzog, Bundeskanzler Helmut Kohl sowie den ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf allen wichtigen Reisen im In- und Ausland. Mit der Ausstellung „Der steinige Weg zur Deutschen Einheit“ bringt er dem Betrachter die tiefgreifenden Veränderungen wieder sehr nah. Es liegt nahe, dass man in dieser Ausstellung anhand der Fotografien unterwegs mit diesen Persönlichkeiten ist, welche den Weg zur deutschen Einheit maßgeblich mitbestimmt haben.

weitere Bilder

Eröffnung der Bildungs- und Begegnungsstätte Deutsche Einheit

Mittwoch, September 9th, 2009

 

Das Geburtshaus Hans-Dietrich Genschers, Bundesaußenminister a.D., Wegbereiter und Gestalter der Deutschen Wiedervereinigung und des Europäischen Einigungsprozesses, ist vor dem Abriss gerettet und mit Unterstützung vieler Sponsoren und Freunde aus Wirtschaft, Kultur und Politik erfolgreich saniert worden.

Es wird nun durch die Erhard-Hübener-Stiftung e.V. eröffnet. Wir freuen uns, Sie aus diesem Grunde einladen zu dürfen.

Es ist uns eine Ehre, die Eröffnung in Anwesenheit von Hans-Dietrich Genscher und dem FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzenden
Dr. Guido Westerwelle zu erleben.

Wir würden uns freuen, wenn Sie dieser Einladung entsprechen könnten.

Detlef Bischoff, Vorsitzender Kuratorium
Cornelia Pieper, MdB, stellv. Vorsitzende Initiatorin
Wolfgang Böhm, Vorsitzender Vorstand

Wann? 11. September 2009 um 15 Uhr

Wo? Bildungs- und Begegnungsstätte
Deutsche Einheit

06116 Halle-Reideburg,
Zugang über Schönnewitzer Straße

Was läuft im Geburtshaus Genschers?

Mittwoch, Juli 29th, 2009

Heute vormittag war ich gemeinsam mit unserem Freundeskreis aus der Hübener Stiftung , einer Museologin und einem Energieversorger in Reideburg am Genscher-Haus , um die Sonderausstellung zur Geschichte der Deutschen Einheit für den 11. September vorzubereiten.

Mit dabei ist auch der Popartkünstler der Neuen Leipziger Schule Fischer-Art. Lassen Sie sich überraschen1 Eröffnung vormerken:11.9.09 um 15 Uhr Halle, Schönnewitzer Str. Genscher- Geburtshaus.
Natürlich wird der ehemalige Bundesaußenminister selbst dabei sein und Guido Westerwelle!